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Arbeit 4.0 - Chancen und Risiken

Rahmenbedingungen guter Arbeit

Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt werden von Gewerkschaften, Politik und Ministerien diskutiert. Was bedeutet dies nun konkret für Beschäftigte und die Zukunft der Arbeit? Im Folgenden bieten wir eine kurze Einführung.

Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt

"In der Debatte um Arbeiten 4.0 wird meist der Eindruck erweckt, als wären die Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt gleich verteilt", erklärt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in einem Artikel der Zeit Online. Doch wie verstehen Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften die potentiellen Vor- und Nachteile einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt?  

Chancen – Stimmen aus der Wirtschaft

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft erwartet die Beschäftigten eine größere Autonomie bei der Erledigung von Aufgaben und eine individuell angepasste Arbeitsgestaltung. Dadurch kann physische Belastung verringert werden, insbesondere durch personalisierte ergonomische Arbeitsgestaltung sowie die Optimierung der Belastung, was gerade für älter werdende Beschäftigte von Bedeutung ist.
Auch Arbeitsort und Arbeitszeit lassen sich durch Home Office oder mobiles Arbeiten flexibilisieren, was einen Beitrag zur Verbesserung der Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Anforderungen leisten kann. So ist zu beobachten, dass bei weiblichen Beschäftigten die Wahrscheinlichkeit ansteigt, zumindest gelegentlich im Home Office zu arbeiten, wenn im eigenen Haushalt Kinder unter 14 Jahren zu betreuen sind. Die durch Home Office eingesparte Fahrzeit kann ebenfalls für andere Aufgaben aufgewendet werden. Die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten können demnach die Zusammenarbeit erleichtern, ob zwischen Beschäftigten am Arbeitsplatz sowie im Homeoffice oder beim Mobilen Arbeiten. 

Risiken – Stimmen aus der Gewerkschaft

Dem gegenüber steht eine 2016 erschienen Studie des DGB zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitsqualität (Zehnte Repräsentativbefragung des DGB-Index "Gute Arbeit"). Die Studie zeigt, dass Digitalisierung nicht automatisch zur Entlastung führt. So gaben 56 Prozent der Befragten an, dass die Arbeitsmenge durch Digitalisierung eher größer geworden sei und 54 Prozent beklagten eine größere Belastung durch Multitasking. Dagegen sahen nur 27 Prozent der Beschäftigten größere Entscheidungsspielräume und nur 24 Prozent eine verbesserte Work-Life-Balance.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach führt die höheren Belastungen gerade auf die Arbeitsmodelle mit flexibler Arbeitszeit wie Home Office zurück, da diese zur "Entgrenzung und Verlängerung der Arbeitszeiten, der permanenten Erreichbarkeit und der Arbeitsverdichtung" beitragen und somit mehr zu Belastung als zur Entlastungen der Beschäftigten führen. 

Lösungsansätze zum Schutz der Beschäftigten

Rechtliche Absicherung im digitalen Arbeitsumfeld

Damit nicht nur die Unternehmen von der neuen Flexibilität durch Digitalisierung profitieren, führte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bereits seit vergangenem Jahr einen Dialog zum Thema Arbeiten 4.0. Zentrale Themen war der Ausbau eines rechtlichen Rahmens auf den Gebieten Mitsprache, soziale Sicherung, wirksamer Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Selbstbestimmung für die Beschäftigten. Die Ergebnisse finden sich in dem bereits 2016 vorgestellten "Grünbuch Arbeiten 4.0" und dessen Nachfolger "Weißbuch Arbeiten 4.0". Kernthemen sind die Mitbestimmung bei der Einführung neuer Technologien, der Erhalt gerechter Löhne  und eine bessere Absicherung bei flexiblen Arbeitszeitmodellen.

Weiterqualifizierung

Eine hohe Bedeutung kommt der betrieblichen Weiterbildung zu. Die Anpassung vorhandener Qualifikationen an neue Aufgaben und Verantwortungsbereiche dient ebenfalls zur Sicherung der Arbeitsplätze in einem sich durch neue Technologien und Arbeitsanforderungen kontinuierlich wandelnden Arbeitsumfeld.

Gesundheitsmanagement in der Arbeit 4.0

Zeitgemäßes Gesundheitsmanagement bedeutet nicht nur eine physische und psychische Entlastung der Arbeitnehmer in der digitalen Arbeitswelt. Krankheitsprävention und die Stärkung der persönlichen Widerstandsfähigkeit („Resilienz“) der Mitarbeiter gewinnt in diesem Kontext ebenso weiter an Bedeutung. Darunter fällt Prävention in Form von betrieblichen Gesundheitsprogrammen ebenso wie personalpolitischer Maßnahmen, beispielsweise in Form von Schulungen zu gesundheitsbewusstem Führen.

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Von hr40.digital • 02.05.2017

https://www.youtube.com/watch?v=I37AwH2C5wQ

Digitalisierung der Arbeit und Mitbestimmung

Die Digitalisierung der Arbeit und die Einführung neuer technischer Elemente berührt viele Themenfelder der Mitbestimmung. 


https://www.youtube.com/watch?v=LqAX6PzGFq4

Arbeit 4.0 und Weiterbildung

Wie schaffen Unternehmen den Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen und den Bedürfnissen der Mitarbeiter?


https://www.youtube.com/watch?v=VU03_KAgQBc

3 Fragen an Dr. Constanze Kurz von der IG Metall zu Industrie 4.0